Ein Ausflug ohne Bibel und Rucksack

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Das meditative Wandern hat beim Frauenbund Floß schon eine lange Tradition, meistens mit dem geistlichen Beirat Pfr. Große zusammen. Doch in diesem Jahr, da der neue Papst mit seiner Namenswahl den Hl. Franziskus in den Fokus rückte, begaben sich ca. 20 Mitglieder des Flosser Zweigvereins zum franziskanischen Besinnungsweg in Hainsacker, etwa 10 Kilometer nördlich von Regensburg gelegen.
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Die Frauen wurden von der Pastoralreferentin des Pfarrverbundes Hainsacker, Lappersdorf und Oppersdorf sehr herzlich empfangen und bekamen einen Überblick zur Entstehung des Besinnungsweges. Der Ortspfarrer des Pfarreiverbunds war beeindruckt von einem Besinnungsweg in Südtirol, Sand in Taufers. Als er seine Stelle in Hainsacker antrat, fielen ihm die schönen Fluren und Wälder auf. Die Idee, einen Besinnungsweg nach dem Vorbild von Sands anzulegen, war geboren. Man gewann dafür einheimische Künstler und brachte dazu ein schönes Begleitheft heraus. Der Besinnungsweg ist in drei Routen begehbar, über drei, fünf oder 10 Kilometer.
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„Lobet Gott in allen Dingen“ hieß die erste Station am Ortsrand. Dieses franziskanische Lebensmotto lud ein, den Lebensweg des Franziskus vom Playboy zum Ordensgründer bis zum Stigmatisierten zu betrachten.
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Ein Herz aus vielen hölzernen Teilen zusammengesetzt, führte zu Gedanken über das menschliche Herz, das vielen Einflüssen und Brüchen ausgesetzt ist. Eine kleine Tafel hoch oben in den Bäumen mit dem Segenssymbol „T“ des Franziskus erinnerte daran, dass auch Laien den Auftrag haben, zu segnen. Ein Wurm, der sich über den Weg schlängelt, mahnte an die franziskanische Direktheit, mit der Schrift umzugehen und sie umzusetzen: Franziskus hob Würmer auf, um sie nicht zu zertreten, weil er das Bibelwort aus Psalm 22, 6. „Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und Verachtung des Volks“ ganz wörtlich auf Jesus bezog.
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Eine Grille und ein Falke waren treue Begleiter des Heiligen, als er in die Einsamkeit ging, vielleicht nicht so bekannt wie der berühmte Wolf von Gubbio. Aber auch sie repräsentieren die besondere Nähe des Heiligen zur Schöpfung, insbesondere zu den Tieren. Die Tiere, Kunstwerke aus Altmetall, wieder von einem einheimischen Künstler, stehen am Wegrand oder verstecken sich in den Bäumen.
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Auf einem Hügel schließlich begegnet man in einem Rahmenkreuz, das im Inneren grobe Nägel enthält, dem stigmatisierten Franziskus. Das Leiden Christi war Franzikus jeden Tag im Gebet gegenwärtig. Die letzten beiden Jahre seines Lebens trug er dann auch die Wundmale Christi. Wenn man durch das Kreuz sieht, fällt der Blick exakt auf die Domtürme Regensburgs am Horizont: ein schönes Symbol dafür, wie sehr Franziskus trotz aller Anfeindungen aus der Kirche immer auch sich als Kind der Kirche betrachtete.
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Die sympathische Pastoralreferentin hielt auch mit leiser Kritik an Franziskus nicht zurück. Franziskus hat seinen Körper, der ihm doch auch von Gott gegeben wurde, nicht geschont, sondern als „Bruder Esel“ mit Fasten und Nachtwachen zu bändigen versucht. Franziskus starb deshalb mit grade 45 Jahren an schweren Krankheiten und völliger Erschöpfung. Vielleicht liegt uns das ältere „Ora et labora“ der benediktinischen Spiritualität sehr viel näher. Doch Franziskus ging konsequent seinen Weg, weil er ihn nur für sich selbst als den richtigen Pfad erkannt hat. So können wir heute auch aus der franziskanischen Frömmigkeit schöpfen: Die Unmittelbarkeit zum Wort, die ganz praktische Auslegung und die Begeisterung und Freude, die Franziskus an der Natur, der Schöpfung, an Tieren, Blumen, Wäldern und Bergen empfand, sind für uns heute bereichernde Glaubenselemente, gerade auch im Hinblick darauf, dass wir die Natur als gefährdet erleben.
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Ein Mittagessen in einem gemütlichen Landgasthof in Hainsacker schloss den Vormittag ab. Die Flosserinnen bedankten sich sehr bei Frau Dauerer, die so lebhaft und herzlich uns mit auf den franziskanischen Weg genommen hatte.
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Der Nachmittag gehörte dann der nahen Stadt Kallmünz. Zwar wäre dort eine Burgruine zu besichtigen, aber den steilen Aufstieg scheuten viele. Doch gab es im unteren Teil von Kallmünz auch viel Interessantes zu sehen: Die kleine steinerne Brücke, einen mächtig schiefen Rathausturm, das „Haus ohne Dach“ (in eine Felsenhöhle gebaut) und jede Menge Kunst. Die Straßen, Plätze und Kaffeehäuser der Stadt sind mit Gemälden und Skulpturen geschmückt, dass man schön flanieren und dann auch einen Kaffee genießen kann.

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